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Der Plan von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, den Bio-Ethanolanteil im Sprit zu erhöhen, ist vom Tisch. Das ist gut so, denn Bio-Ethanol ist nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu einer neuen Generation von biobasierten Kraftstoffen.
Was für ein Aufruhr um die Biospritkampagne der Bundesregierung. Zehn Prozent sollte künftig der Anteil von biotechnologisch erzeugtem Ethanol im Super- und Normalkraftstoff betragen. Der Bioenergie hat die Bundesregierung damit einen Bärendienst erwiesen. Verfahren, mit denen aus Biomasse Energie gewonnen werden können, stehen mancherorts plötzlich unter Generalverdacht.
"Biosprit: Fluch oder Segen“ titelte der ADAC in der Ausgabe März/2008 seines Magazins „Motorwelt“ und rechnet mit Biosprit und Bioenergie ab. Im Editorial schreibt Chefredakteur Michael Ramstetter: „Bioenergie ist hierzulande mit zu vielen kurzfristigen Illusionen und Träumen verbunden. Dies gilt für die politischen Parteien und die Industrie. Illusionen und Träume müssen umgehend durch genaues Hinschauen und glaubwürdiges Forschen ersetzt werden.“
Die ganze Diskussion ist völlig unnötig. Bio-Ethanol, das zeigen die vom Energiehunger getriebenen Preissteigerungen bei Mais, Zucker und Weizen, kann nach aktueller Sachlage nur eine Zwischenstation sein. Die Zukunft liegt bei biobasierten Kraftstoffen, die mit chemischen Verfahren hergestellt werden. Wegweiser, wohin die Reise gehen könnte, gibt es mehrere.
Biomass-to-liquid und Kohle aus dem Kochtopf
Choren Industries aus Friedberg in Sachsen produziert synthetischen Diesel-Kraftstoff aus Biomasse, derzeit in erster Linie mit Restholz und Abfallholz. Die Biomasse wird über Zwischenschritte verflüssigt, Experten sprechen von Biomass-to-liquid, abgekürzt BTL.
Am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam wurde im Jahr 2006 ein Verfahren entwickelt, mit dem man aus Biomasse Kohlenstoff gewinnen kann. „Hydrothermale Karbonisierung“ nennen die Chemiker den Prozess, bei dem Holz, Stroh, Gartenabfälle und vieles mehr, was biochemisch gebundenen Kohlenstoff enthält, eingesetzt werden kann. Das Pflanzenmaterial wandert in eine Art Schnellkochtopf, wird erhitzt und verwandelt sich nach mehreren Stunden in fein verteilten Kohlenstoff. Dieser kann anschließend als Energieträger genutzt oder weiterverabeitet werden – zum Beispiel zu Kraftstoff.
Im Jahr 2007 setzte die Weltbevölkerung laut Internationaler Energieagentur (IEA) 17,7 Milliarden Tonnen Rohöleinheiten an Energie um – etwa die zehnfache Energiemenge häuft die Natur jedes Jahr durch Biomasseproduktion an. Berücksichtigt man diesen gigantischen Energiegehalt und zieht man die angeführten technologischen Entwicklungen in Betracht, so muss man zu dem Schluss kommen, dass konventionell erzeugtes Bio-Ethanol nur eine kleine Episode im Wandel der Energieträgernutzung sein kann.
Keine Konkurrenz zu Nahrungsmitteln
Horrorszenarien, wie massiver Flächen- und Wasserverbrauch zum Anbau von Energiepflanzen, ethische Bedenken, weil Nahrungsmittel nicht in den Tank sondern auf den Tisch gehören – das alles wäre größtenteils Makulatur. Vorausgesetzt, die neuen Technologien halten, was sie derzeit versprechen.
Synthetischer Bio-Diesel bald konkurrenzfähig
Aktuelle Untersuchungen, wie die von Dr. Ludwig Leible (Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des Forschungszentrums Karlsruhe), zeigen, dass die Biokraftstoffe der nächsten Generation den Nahrungsmittelmarkt nicht bedrohen und schon bald konkurrenzfähig sein könnten.
Ab einem Rohölpreis von 130 Dollar pro Barrel wäre synthetischer Bio-Diesel konkurrenzfähig. Aktuell liegen die Ölpreise bei etwa 105 Dollar je Barrel. Der Vorsprung des Öls verrinnt.
Minister Gabriels Biospritvorhaben war also überflüssig, ebenso wie die Aufregung darüber.
Oder, um es mit den Worten des Ex-Fußballprofis Bruno Labbadia zu sagen: „Das Ganze wird von den Medien hochsterilisiert.“
chb
Quellen:
Hydrothermale Karbonisierung: Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam oder als pdf in Max-Planck-Forschung 2/2006 :
Mitteilung zur Studie des Forschungszentrums Karlsruhe: http://www.itas.fzk.de/deu/news/2007/25.htm
Internationale Energieagentur IEA: Jahresbericht 2007 (auch auf deutsch verfügbar)
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